Es folgt eine Analyse, warum die sogenannte 2m-Regel in Baden-Württemberg, welche eine bestimmte Nutzergruppe aus dem Wald ausschließt, ein Beispiel eines verfehlten Demokratieverständnisses ist. Die Kernfrage ist: was ist eine  Entscheidung, erlangt in einem vermeintlichen demokratischen, parlamentarischen Verfahren, wert, wenn ihr weder Mandat noch Beweisführungspflicht zugrunde liegen?

In einer repräsentativen Demokratie entscheiden Mehrheiten über die großen politischen Themen der Zeit. Fortschritt und alternatives Denken und Handel lassen neue Themen entstehen, die konventionelle Vorgehensweisen herausfordern. Thomas Kuhn nannte dieses Paradigmen, die einander ablösen. Aber diese neuen Themen brauchen Zeit, bis sie eine ausreichende politische Magnitude entwickeln und damit zu „großen“ Themen werden. Deswegen tendieren Vertreter des alten Denkens dazu, alternatives Denken und Handeln zu verwerfen, weil nur Minderheiten es fördern. Damit existiert automatisch ein konservativer Bias in repräsentativen Demokratien.

Dieses Prinzip hat solange funktioniert, wie die Gesellschaft gewachsen ist. Die in Zahlen starke Jugend förderte neue Themen und konnte dem beschriebenen konservativen Bias entgegenwirken.

Nehmen wir das Beispiel die 68er-Generation sowie die nachfolgenden „Alternativen“, die letztendlich in den Grünen aufgingen. Anti-Atomkraft und Naturschutz waren die großen Sachthemen. Wichtiger waren aber neue Methoden der Führung und Entscheidungsfindung. Die Grünen haben die deutsche Demokratie verändert. Alle Parteien haben die Positionen der Grünen übernommen. Bürger werden nicht nur vertreten, sondern auch aktiver in die Entscheidungsfindungen einbezogen.

Alles gut? Mitnichten! Ein allen bekannter, aber schleichender und damit wenig beachteter Prozess unterläuft unsere Demokratie: die alternde Gesellschaft. Sie verändert das politische Machtverhältnis zwischen den „Alten“ und den „Jungen“, zugunsten der Ersteren. Damit besteht die Gefahr, das neue Themen abgewürgt werden und der Fortschritt einfriert.

Dieses können wir zur Zeit in Baden- Württemberg beobachten. Ausgerechnet die Grünen erweisen sich hier als Bremser. Als Vertreter des Alten. Als Verbotspartei. Entgegen der eigenen Positionierung und Rhetorik. Was passiert da?